Gespeichert von nearbees am Di., 17.08.2021 - 13:23

Eine Wildbiene im Sand

Wildbienen im Überblick: Lebensraum, Nistweise und Ernährung

Spricht man von Bienen, kommt den meisten zuerst die Honigbiene in den Sinn. Sie ist die bekannteste Vertreterin ihrer Gattung, was bestimmt nicht zuletzt an ihrem süßen Honig liegt. Zahlenmäßig ist ihr die Wildbiene aber mit weltweit 20.000 Arten bei Weitem überlegen - die Honigbiene kommt gerade einmal auf sieben Arten

Ein großer Unterschied zwischen Wild- und Honigbienen zeigt sich vor allem in ihrer Lebensweise. Während Honigbienen in hochkomplexen sozialen Systemen zusammenleben, sind Wildbienen in der Regel Einzelgänger. Einige Arten leben zwar in kleineren Gemeinschaften zusammen, aber die große Mehrheit bevorzugt einen Single-Haushalt.

Wild, vielfältig, solitär: Die Arten der Wildbienen

Die Vielzahl an Wildbienenarten ist beeindruckend: Weltweit leisten Tausende von Gattungen ihren Beitrag zur Bestäubung der Fauna, aber auch die deutsche Artenvielfalt kann sich sehen lassen. Über 500 verschiedene Arten sind hier zu Hause, unterteilt in 41 Gattungen. Eine der bekanntesten ist sicherlich Bombus. Dahinter versteckt sich niemand anderes als die Hummel. 
Doch in Deinem Garten lassen sich mit Sicherheit noch viel mehr Wildbienen entdecken - vielleicht auch die ein oder andere bedrohte Art. Je nachdem, welche Lebensräume Dein Garten oder Balkon für die kleinen Brummer bietet, erobern unterschiedliche Wildbienen ihr neues Zuhause.
Sie alle zweifelsfrei zu unterscheiden ist selbst für Experten schwierig und Laien stehen manchmal vor einer schier unmöglichen Aufgabe. Aber mit etwas Übung kannst auch Du zu einem Wildbienenexperten werden: Auf unserem Blog findest Du eine Auswahl an Bienen mit Infos rund um ihre Lebens- und Nistweise und ihre Besonderheiten. Ob Furchenbiene, Seidenbiene oder Sandbiene - hier ist bestimmt auch eine Biene dabei, die Du in Deinem eigenen Garten schon einmal beobachtet hast.

Wildbiene schaut aus einem Loch in der Erde

Mehr über heimische Wildbienen erfahren

So vielfältig wie ihre Arten: Lebensräume und Nistplätze der Wildbienen

Wildbienenhotel

Auf der Suche nach dem passenden Grund und Boden: das Zuhause der Wildbienen

Für Wildbienen "den einen" Lebensraum festzulegen, ist kaum möglich, da die Arten dafür viel zu unterschiedlich sind. Ein wichtiger Faktor bei der Wahl der eigenen Heimat und des Nistplatzes ist die Nahrungsauswahl. Manche der Insekten sind nicht besonders wählerisch, andere sind wahre Feinschmecker und haben sich beim Pollensammeln auf eine bestimmte Gattungsgruppe oder Pflanzenfamilie oder sogar auf eine bestimmte Pflanzengattung spezialisiert. Dann fliegen sie nur noch die Blüten ihrer Auserwählten an und lassen alle anderen links liegen. So sind sie aber auch auf diese Pflanzen angewiesen.
Eine wichtige Rolle spielt ebenfalls, ob die Bienen gute Voraussetzungen zum Nestbau vorfinden. Auch hier unterscheiden sich die Wildbienenarten stark voneinander: Die einen nisten mit Vorliebe unterirdisch, die anderen möchten ihre Kinderstube lieber in Mauerspalten oder in Totholz einrichten. Nach der Paarung suchen sich die Weibchen je nach Vorliebe ihren Nistplatz aus - dann beginnt die Eiablage.

Home, sweet home: Innenarchitektur bei der Biene

Grundsätzlich sind alle Wildbienennester ähnlich aufgebaut, doch gibt es bei den verschiedenen Arten unterschiedliche Bauweisen. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in der Anordnung der Brutzellen. Bei Brutzellen handelt es sich um einzelne Kammern, in denen die Weibchen ihre Eier legen und die meist durch Trennwände voneinander abgetrennt sind. Hier hinterlässt das erwachsene Tier auch einen kleinen Vorrat an Nektar und Pollen, an dem sich ihr Nachwuchs nach dem Schlüpfen stärken kann. Der Schlupfzeitpunkt ist abhängig von der Art: Manche schlüpfen im Frühjahr, andere im Sommer, wieder andere im Herbst. Einige bringen nur eine Generation im Jahr hervor, bei anderen sind es zwei. Eine allgemeingültige Aussage für alle Arten gibt es also auch beim Schlupfzeitpunkt nicht.

Brutzellen einer Wildbiene

Einbrecher im Nest: Kuckucksbienen

Für viele Wildbienenarten ist das Nest der Ort, an dem die erwachsenen Tiere die meiste Zeit verbringen, wenn sie sich nicht gerade auf der Suche nach Baumaterial oder nach Nahrung für sich selbst und den Nachwuchs befinden. Ihr Zuhause zu verlassen ist aber gar nicht so ungefährlich, denn manchmal dringen ungebeten Gäste ein. Sogenannte Kuckucksbienen sparen sich das Anlegen eigener Nester: Sie warten, bis andere ihre Bleibe verlassen und schleichen sich dann in das fremde Heim. Dort legen sie ihre eigenen Eier ab. Sobald die jungen Kuckucksbienen schlüpfen, fressen sie den Nektar- und Pollenvorrat, den sie dort vorfinden - und manchmal auch die andere Larve.

Zahlen & Fakten rund um die Wildbiene

Biene

Klein & Groß

Die kleinste Wildbienenart Deutschlands ist die Sand-Steppenbiene. Sie kommt auf eine Körperlänge von gerade einmal 4 mm. Die Große Holzbiene dagegen ist größte deutsche Art: Sie wird bis zu 3 cm groß. Ein ganz schön dicker Brummer!

Ausrufezeichen

Save the Bees!

Die Hälfte der Wildbienenarten in Deutschland steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Sie benötigen also den Schutz von uns allen, denn für die Artenvielfalt sind sie genauso wichtig wie ihre domestizierten Schwestern.

Uhr

Kurz, aber fleißig

Das Leben der Wildbiene ist nicht besonders lang: Sie wird gerade einmal 4 bis 8 Wochen alt. Während dieser Zeit bestäubt sie aber fleißig Pflanzen und legt Eier, um die nächste Generation Wildbienen sicherzustellen.

Haus

Unter- oder überirdisch?

Gut drei Viertel der Wildbienen nisten im Boden: Sie graben sich ihre Nester in den Boden und legen dort ihre Eier. Ihre Artgenossen bevorzugen beispielsweise Pflanzenstängel oder Trockenmauern - oder auch in Schneckenhäusern.

Von Bienchen und Blümchen: die Nahrung der Wildbienen

Hummel auf einer Blüte in Blütenstaub

Das steht auf dem Speiseplan

Ohne Blüten keine Nahrung: Hier sammeln Wildbienen Nektar und Pollen, die sie für sich selbst und als Futter für ihren Nachwuchs brauchen. Nektar ist besonders für die erwachsenen Tiere wichtig: Er liefert ihnen ausreichend Energie für ihre Ausflüge. Der eiweißreiche Pollen dagegen dient der Ernährung der Larven und wird in den Brutzellen eingelagert. 
Bei der Wahl der Pflanzen, die auf ihrem Speiseplan stehen, sind Wildbienen teilweise sehr anspruchsvoll. Manche von ihnen, die oligolektischen Bienen, haben sich auf bestimmte Pflanzenfamilien oder -gattungen spezialisiert. Die Zaunrüben-Sandbiene beispielsweise sammelt ihre Nahrung nur an der Zaunrübe. Dieses Verhalten ist Segen und Fluch zugleich: Es stellt zwar sicher, dass die Blüten der Pflanze immer bestäubt werden und die Bienen ebenfalls immer Futter haben, doch Biene und Blüte sind auch abhängig voneinander. Verschwindet die Blume aus einem Gebiet, findet die Wildbiene dort kein Futter mehr. Ohne die Wildbiene dagegen muss die Pflanze auf einen ihrer wichtigsten Bestäuber verzichten - so wird ihre Fortpflanzung um einiges schwieriger.

Polylektische Bienen, die circa zwei Drittel der wilden Schwestern der Honigbienen ausmachen, haben es da einfacher: Sie sammeln von allen Pflanzen, die sie in ihrer Nähe finden. Auch polylektische Arten können Vorlieben zeigen, von welchen Pflanzen sie gerne Pollen sammeln und welche sie lieber meiden. Bienenarten, die in Staaten zusammenleben (z. B. auch manche Hummeln), sind meist polylektisch. Im Gegensatz zu Solitärbienen haben sie eine längere Flugzeit und können es sich so schlichtweg nicht leisten, sich auf eine wenige Pflanzen mit einer beschränkten Blütezeit zu spezialisieren.

Klimawandel, Landwirtschaft & Nahrungsknappheit

Besonders für oligolektische Bienen können Monokulturen in der Landwirtschaft problematisch werden. Die weiten Felder verdrängen häufig die Pflanzen, auf die sich die Tiere spezialisiert haben - und sie müssen verhungern. Ein weiteres Problem ist die Saisonalität der Felder. Die Erntepflanzen blühen oft im Frühling oder Sommer - im Herbst, wenn das Nahrungsangebot knapp ist, finden Bienen kaum mehr Trachtpflanzen auf den leeren Feldern. 
Auch der Klimawandel birgt einige Gefahren: Durch die wärmeren Temperaturen können sich die Blütezeitpunkte der Trachtpflanzen verschieben. Im schlimmsten Fall überschneiden sich dann die Blütezeit der Pflanzen und die Flugzeit der Wildbienen nicht mehr - der Bienentisch bleibt dann leer. Diese Problematiken führen dazu, dass viele Arten vom Aussterben bedroht sind und deshalb besondere Unterstützung benötigen.

Ein Traktor in einem Rapsfeld

Fressen oder gefressen werden: natürliche Feinde der Wildbiene

Eine Spinne frisst eine Hummel

Die Feinde der Wildbienen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Fressfeinde, Parasiten und Bakterien bzw. Pilze. Zu den Fressfeinden gehören zum Beispiel Spinnen, die ihnen an Blüten auflauern, aber auch einige Grabwespen, die Bienen gerne an ihre Larven verfüttern. Sie haben aber nicht nur Wespen oder Spinnentiere zu fürchten - auch einige Vögel, Säugetiere und Reptilien haben sie zum Fressen gern. 
Die Parasiten der Wildbienen fressen sie zwar nicht direkt auf, leben aber auf Kosten der Insekten. Einige dieser Nutznießer leben von der Brut oder ihren Nahrungsvorräten: Dazu zählt zum Beispiel die Kuckucksbiene. Aber auch Milben bedienen sich teilweise am Futter ihres Wirts, teilweise an ihren Abfällen. Außerdem nutzen sie die Wildbiene als einfache Mitfahrgelegenheit, um von einem Ort zum nächsten zu kommen. 
Eine weitere Gefahr für Wildbienen, besonders für die Brut, kann der Befall der Brutkammer mit Schimmelpilzen oder Bakterien sein. Deshalb bevorzugen viele der Insekten warme und trockene Orte als Nistplatz. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme benetzen einige Arten ihre Brutzellen mit körpereigenen Sekreten oder kleiden sie mit Pflanzenharz aus. Das soll helfen, einen Pilz- oder Bakterienbefall zu verhindern.

Nahrung für Mensch & Tier: Wildbienen in der Landwirtschaft

Honigbienen sind unerlässlich für die Bestäubung von Feldfrüchten und Bäumen in der Landwirtschaft. Auch Wildbienen bestäuben Pflanzen, sind aber für Landwirte bei Raps- oder Getreideanbau von geringerer Bedeutung als ihre Honig produzierenden Schwestern. Beim Obst- und Gemüseanbau dagegen spielen sie eine wichtige Rolle: Die Dunkle Erdhummel beispielsweise wird gezielt zu diesem Zweck gezüchtet und in riesigen Treibhäusern bei der Produktion von Tomaten oder Erdbeeren eingesetzt.

Kommerzielle Erdbeerplantage

Zwei Bienen auf einer Hand

Das kann jeder Einzelne tun

Jetzt Bienen retten

Gemeinsam gegen das Bienensterben kämpfen

Jeder Einzelne von uns kann einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Honig- und Wildbienen leisten. Vom Bienensterben sind nicht nur die kleinen Brummer und ihre Bestände betroffen, sondern auch wir Menschen. Ohne sie sähe unsere Umwelt um ein Vielfaches grauer und unsere Esstische um einiges leerer aus. Ob bienenfreundliches Saatgut, eine Bienenpatenschaft oder ein eigenes Bienenvolk - auch Du kannst einen Beitrag zum Artenschutz leisten.