Pförtner-Schmalbiene

Heimische Wildbienenarten: die wilden Schwestern der Honigbienen

Pförtner-Schmalbienen-Weibchen

Neben den domestizierten Honigbienen gibt es weltweit etwa 20.000 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht staatenbildend, sondern leben in kleinen sozialen Einheiten: sie sind quasi die Singles unter ihren Artgenossen.
Wildbienen werden sehr selten zur Bestäubung von Pflanzen eingesetzt, obwohl einige Arten aufgrund einer Jahrtausende langen Entwicklung eine innige Symbiose mit bestimmten Pflanzen eingegangen sind. Deshalb können sie diese besonders gut bestäuben – manche Wildbienen sogar nur als einzige Art. Stirbt diese Bienenart, stirbt auch die Pflanze aus. In unserem Blog kannst Du Vertreter der über 500, in Deutschland heimischen, Wildbienenarten kennen lernen. Heute: die Pförtner-Schmalbiene. 

Beschreibung

Mit einer Größe von 8-10 mm ist die Pförtner-Schmalbiene (Lasioglossum malachurum) deutlich kleiner als eine Honigbiene. Sie ist weist einen schlanken Körperbau auf und ist an einem schwarzen Körper mit hellen Binden zu erkennen. Von ähnlichen Lasioglossum-Arten ist die Pförtner-Schmalbiene (auch Feldweg-Schmalbiene genannt) auf den ersten Blick und ohne weitere Merkmale kaum zu unterscheiden.

Ursprung, Habitat und Verbreitung

Die Pförtner-Schmalbiene gehört zu den häufig vorkommenden Wildbienen und ist weitverbeitet: Von den Azoren und der Iberischen Halbinsel bis zur mittleren Wolga und dem Iran. Auch in ganz Deutschland ist die Wildbiene in vielen Gegenden aufzufinden. Sie bevorzugt Löss- und Lehm-, aber auch Sandgebiete an sonnigen Waldrändern oder in Siedlungsbereichen. 

Eingang zum Bau einer Pförtner-Schmalbiene

Verhalten und Lebensweise

Bei der Nahrungssuche ist die Pförtner-Schmalbiene nicht gerade wählerisch. Es handelt sich um eine ausgesprochen polylektische Art, d.h. sie nimmt den Nektar von verschiedensten Pflanzen als Nahrung an und hat sich nicht auf nur wenige Pflanzen spezialisiert. Zu ihren Nahrungsquellen gehören z.B. Raps, Löwenzahn, Schafgarbe oder auch die Brombeere - je nachdem, was aktuell blüht. 
Die Pförtner-Schmalbiene baut ihre Nester meist in selbst gegrabene Hohlräume in der Erde. Das Besondere an diesen Nestern ist, dass sie hier nicht wie die meisten anderen Wildbienen komplett alleine lebt: sie bildet eine sogenannte Aggregation, die aus mehreren Hundert oder auch Tausend Nestern bestehen kann. Man spricht hier von einem primitiv eusozialen Verhalten.

In bester Gesellschaft: Nestbau und Brutverhalten 

Das begattete Weibchen der Pförtner-Schmalbiene, die Königin, überwintert in ihrem Geburtsnest. Im April beginnt jedes Weibchen eigenständig damit, den Hauptgang ihres Nestes zu reinigen oder einen neuen Gang anzulegen. Dann legt sie direkt am senkrechten Hauptgang eine Wabe mit 3-6 Brutzellen für die ersten Arbeiterinnen. Diese ziehen in einer zweiten, noch tiefer gelegenen Etage des Nestes die zweite Brut groß, die aus bis zu 50 Wildbienen bestehen kann, unter ihnen sowohl weitere Arbeiterinnen als auch erste Drohnen. Im August schlüpft dann die dritte Brut: 100- 200 Drohnen und Königinnen. Die Arbeiterinnen bewachen während dieser Entwicklungsphasen den Nesteingang, sodass Eindringlinge schwer Zugang zum Nest finden können. Zu diesen Eindringlingen gehört beispielsweise die Dickkopf-Blutbiene (Sphecodes monilicornis), die als Kuckucksbiene ihre Larven in die Nester anderer Bienen legt. 
Die Drohnen der Pförtner-Schmalbiene sind ab Ende Juli auf der Suche nach begattungsfähigen Weibchen und patrouillieren deshalb dicht über der Nest-Aggregation. Beim Erkennen, bei welchen der Bienen sie überhaupt eine Chance haben, hilft den Drohnen ihr Geruchssinn: Sie sind in der Lage, unbegattete oder begattete Weibchen sowie Arbeiterinnen an ihrem Geruch zu unterscheiden. Finden die Drohnen dann eine Auserwählte, findet die Paarung außerhalb des Nestes statt. Das begattete Weibchen zieht sich im Herbst in ihr Geburtsnester zurück. Als Königin lernt sie im folgenden Jahr ihre Nachkommen kennen und lebt etwa 12-13 Monate.

Bilder

Header: Gideon Pisanty (Gidip) - Lasioglossum malachurum, female foraging on a watermelon flower, Hulda, Judean Foothills, Israel, June 1, 2011.  (CC BY 3.0)
Bild 1: Johann Seidl - Eingang zum Bau einer Schmalbienen (CC BY-SA 4.0)