Wespenbiene

Heimische Wildbienenarten: die wilden Schwestern der Honigbienen

Wespenbiene

Neben den domestizierten Honigbienen gibt es weltweit etwa 20.000 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht staatenbildend, sondern leben in kleinen sozialen Einheiten: sie sind quasi die Singles unter ihren Artgenossen.
Wildbienen werden sehr selten zur Bestäubung von Pflanzen eingesetzt, obwohl einige Arten aufgrund einer Jahrtausende langen Entwicklung eine innige Symbiose mit bestimmten Pflanzen eingegangen sind. Deshalb können sie diese besonders gut bestäuben - manche Wildbienen sogar nur als einzige Art. Stirbt diese Bienenart, stirbt auch die Pflanze aus. In unserem Blog kannst Du Vertreter der über 500, in Deutschland heimischen, Wildbienenarten kennen lernen. Heute: die Wespenbiene.

Steckbrief

Wespenbiene

Lat. Name: Nomada 
Flugzeit: März bis September
Vorkommen: häufig
Ernährungsweise: polylektisch
Lebensraum: vergleichbar mit den spezifischen Wirten

Beschreibung

Die Wespenbiene ist eine Gattung der Apidae, der Echten Bienen. In Europa sind rund 200 verschiedene Arten des Wespenbiene zu finden, von denen 64 in Deutschland heimisch sind. Überall dort, wo Wespenbienen vorkommen, sind sie in großen Zahlen vertreten - und gelten daher als ungefährdet.
Da Wespenbienen als Schmarotzer keine Pollen sammeln, sind sie nicht oder nur spärlich behaart. In Kombination mit ihrer Wespentaille, ihrer schwarz-gelben, schwarz-roten oder schwarz-rot-gelben Bänderung sind sie leicht mit Wespen zu verwechseln. Auch das stark verlängerte und verbreiterte ersten Tarsenglied an den Hinterbeinen sorgt für eine große Ähnlichkeit zu Wespen. Diesem Umstand haben sie auch ihren Namen zu verdanken. Bei der Körperlänge gibt es große Unterschiede, sie variiert zwischen 3 und 14 Millimetern. Trotzdem können nur sehr wenige Arten der Nomada vom ungeschulten Auge in freier Natur bestimmt werden.

Ursprung, Habitat und Verbreitung

Die Wespenbienen kommen, mit Ausnahme von Australien, weltweit häufig vor. Die Lieblingswirte der parasitisch lebenden Kuckucksbiene sind Sandbienen, Zottelbienen und Furchenbienen. Da die meisten Wespenbienen nur einen einzigen Wirt parasitieren, sind sie auf deren Vorkommen angewiesen. 
Entdeckst Du also beispielsweise eine Rothaarige Wespenbiene in Deiner Gegend dann ist ihr Wirt, die Graue Sandbiene, meist nicht weit entfernt. Aufgrund dieser Abhängigkeit stirbt auch die Kuckucksbiene, wenn ihre parasitierte Wildbienenart in der Region ausstirbt. Manchmal kommt es vor, dass eine übermütige Wespenbiene so viele Individuen einer Wirtskolonie befällt, dass deren Bestand nach und nach stark zurückgeht. Damit besiegelt die Wespenbiene ihren eigenen Untergang und folgt nach kurzer Zeit dem Schicksal ihrer Wirte. Wenn Verhältnisse und Umgebung stimmen, erholt sich der Wirtsbestand aber nach einiger Zeit und die Bahn für ihre Parasiten ist wieder frei.

Verhalten und Lebensweise

Die weibliche Wespenbiene ist stets auf der Suche nach einem neuen Opfer. Mit ihrem langsamen, aber sehr wendigen Flug und ihrem ausgeprägten Geruchssinn ist sie in der Lage, Wirtsnester ausfindig zu machen. Hat sie eines erspäht, lauert sie in ihrem Versteck bis das Wirtsweibchen ausgeflogen und das Nest verlassen ist. Diese Chance nutzt die Wespenbiene: sie dringt in das fremde Nest ein, bohrt ein Loch in die Brutzellenwand und legt dort 1-2 Eier ab. Wird sie dort zufällig doch vom Wirtsweibchen überrascht, reagiert die Wespenbiene überraschenderweise nicht aggressiv, sondern verhält sich friedlich. Weil das Wespenbienenweibchen Duftstoffe produziert, die denen der Wirtsart ähnelt, wird das Abwehrverhalten des Wirts unterdrückt. Die Wespenbiene tarnt sich also durch ihren Geruch. Treffen aber zwei weibliche Wespenbienen aufeinander, reagieren sie aggressiv und kämpfen um das Wirtsnest.
Sobald der Kuckucksnachwuchs geschlüpft ist, frisst er die erst Eier oder Larven des Wirts. Danach stehen die angelegten Futtervorräte auf dem Speiseplan des Schmarotzers.