Strahlende Sieger

Pflanzen des Jahres 2022

Blauglockenbaum

Jedes Jahr aufs Neue beginnt das Rennen um die Pflanzen des Jahres. Ausgewählte Experten und renommierte Forscherinnen stellen sich dann der schwierigen Aufgabe, aus Hunderten von verschiedenen Pflanzenarten würdige Sieger zu küren. Um ihnen ihre Wahl etwas zu erleichtern, gibt es immerhin verschiedene Siegerkategorien: Baum des Jahres, Blume des Jahres, Heil- und Arzneipflanze des Jahres und die Orchidee des Jahres um nur einige zu nennen. In unserem Blogbeitrag präsentieren wir Dir einige der Sieger.

Baum des Jahres: Rotbuche

Bäume sind die Alleskönner der Natur: Sie speichern nicht nur klimaschädliches Kohlenstoffdioxid, sondern sie erzeugen Verdunstungskälte und Beschattung, filtern Staubpartikel aus der Luft, bieten Lebensraum und Nahrung für andere Lebewesen und fördern in ihrem Wurzelbereich unterirdisches Leben! So ist es nicht verwunderlich, dass jedes Jahr ein Baum des Jahres gekürt wird, um ihren ökologischen Mehrwert und ihre wichtige Rolle für die Gesellschaft hervorzuheben. Im Jahr 2022 dürfen wir der Rotbuche zu ihrem Sieg gratulieren! Sie übernimmt das Siegertreppchen von der Europäischen Stechpalme, welche letztes Jahr im Rampenlicht stand. 

Rotbuche

Königin des Waldes

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist ein heimisches Gehölz, das mit seiner malerischen Krone wahrlich ein Blickfang im Wald ist. Besonders im Herbst leuchten ihre Blätter in Nuancen von Rot, Orange und Gelb. Aber Achtung, ihren Namen verdankt sie nicht ihrer schönen Herbstfärbung, sondern dem rötlichen Farbton ihres Holzes.  Ist nicht der Stamm, sondern die Blätter rot gefärbt, so handelt es sich um eine Blutbuche, eine kultivierte Form der Rotbuchen. 
Erreicht Fagus sylvatica ein Alter von etwa 100 Jahren, trägt sie eine beeindruckende Krone, deren Durchmesser bis zu drei Meter umfassen kann.  Die Rotbuche zählt zu den wenigen Laubbäumen, die stattliche 300 Jahre alt werden können. Aber auch im kleinen Format kann sie entzücken, weshalb sie als beliebte Heckenpflanze schon viele Gärten verschönert. Sie ist robust und pflegeleicht und wird mit fortschreitendem Alter nur noch vitaler und schöner. 
Dass die Rotbuche zum Baum des Jahres gewählt wurde, hat vor allem symbolische Bedeutung: Bereits 1990  erhielt sie diese Auszeichnung und galt damals als großer Hoffnungsträger für einen klimaresistenten Mischwald. Doch heute, einige Jahrzehnte später, kämpft auch die Rotbuche mit den Folgen des Klimawandels. Um diesen weiter in den Vordergrund zu stellen, wurde die Rotbuche deswegen erneut zum Baum des Jahres gekürt und zeigt so eindrucksvoll die Herausforderungen des Klimawandels. 

Stadtpflanze des Jahres: Blauglockenbaum

Selbst in den größten Städten gibt es bei genauerem Hinsehen einiges an Natur zu entdecken: üppige Gärten, begrünte Dächer, bunte Balkonbepflanzung, weitläufige Parks und vieles mehr. Eine grüne Infrastruktur in der Stadt fördert die Artenvielfalt, nimmt Regenwasser besser auf, verbessert nachweislich unsere Lebensqualität und spendet frische Luft. So ist es nicht verwunderlich, dass jedes Jahr auch die Stadtpflanze des Jahres gekürt wird. Dabei werden Gewächse gewählt, die hauptsächlich im urbanen Raum wachsen - entweder weil ihnen die Stadt als Ersatzstandort dient, oder weil sie sich vom städtischen Raum ausgehend weiter ausbreiten. 
Das Rennen um die Stadtpflanze des Jahres macht im Jahr 2022 der Chinesische Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa)

Blauglockenbaum

Bläulicher Blickfang

Der Chinesische Blauglockenbaum ist ein wirklicher Hingucker. Zeigt er sich ab April in voller Blüte, zieht er mit seiner majestätischen Erscheinung alle Blicke auf sich. Die Baumkrone ist übersät von dichten, traubenförmigen Blütenständen, die mit ihrer zart violetten Färbung bis zu 30 Zentimeter erreichen können. 
Seinen Beinamen “Kaiserbaum” hat er nicht nur seinem majestätischen Äußeren zu verdanken, sondern auch seiner Geschichte. Der Blauglockenbaum ist ursprünglich in Zentral- und Westchina beheimatet, doch der österreichische Kaiser Franz Josef verliebte sich so in das prächtige Gehölz, dass er es als seinen Lieblingsbaum auserkor. Daraufhin wurden gemäß dem kaiserlichen Befehl in ganz Österreich Blauglockenbäume gepflanzt, sodass sie letztendlich in ganz Europa kultiviert werden konnten. Wer hätte gedacht, dass Kaiser Franz Joseph und Bienen eine Gemeinsamkeit haben! Die fleißigen Bestäuberinnen teilen die Begeisterung des Regentens von Österreich und erfreuen sich am reichen Nektarangebot der blauen Blüten. 

CO2-Meister

Pflanzt Du einen Blauglockenbaum, leistest Du nicht nur einen Beitrag für den Insektenschutz, sondern auch für den Klimaschutz. Das chinesische Gehölz zählt zu den am schnellsten wachsenden Bäumen überhaupt und bindet in 20 Jahren 46 Mal so viel CO2 wie eine deutsche Eiche. Gleichzeitig ist der Blauglockenbaum, sobald er seinem Jungpflanzendasein entwachsen ist, ein sehr pflegeleichtes Gewächs, das sowohl gegen Trockenheit als auch gegen Schädlinge resistent ist. 
Die großen Blätter des Blauglockenbaumes können bis zu einen Meter groß werden und fungieren so gleichzeitig als Schattenspender und Schadstofffilter. Damit tragen sie aktiv zu  einer höheren Luftqualität bei und sind daher umso besser für städtische Gebiete geeignet. Kein Wunder also, dass der Blauglockenbaum auch als Klimabaum bezeichnet wird. Seine Wahl zur Stadtpflanze des Jahres hat er allemal verdient!

Heilpflanze des Jahres: Große Brennnessel

Um hervorzuheben, dass Pflanzen auch für Medizin und Pharmazie von großem Nutzen sein können, werden jedes Jahr auch die Arzneipflanze und die Heilpflanze des Jahres gekürt. Dabei ist der Unterschied, dass Heilpflanzen einen bestimmten Gehalt an Stoffen beinhalten, die Symptome von Krankheitsbildern lindern können. Sie sind mehrheitlich im naturkundlichen Bereich der Medizin im Einsatz. 
Arzneipflanzen enthalten deutlich höhere Dosen und die Stoffe werden teilweise direkt für fertige Arzneimittel extrahiert. Beide Begriffe werden manchmal auch synonym verwendet, sodass eine Unterscheidung oft etwas vage ist. Was jedoch feststeht: Pflanzen können maßgeblich zur Besserung bestimmter Krankheiten beitragen. 
Um die heilsame Wirkung der Natur zu betonen, wird jährlich die Heil- und Arzneipflanze des Jahres benannt - 2022 sind die Brennessel als Heilpflanze und der Mönchspfeffer als Arzneipflanze die Sieger.

Große Brennessel

Harte Schale, weicher Kern

Bei vielen Gartenfreunden ist die Große Brennessel (Urtica dioica) aufgrund ihrer behaarten Blätter, die schon bei leichter Berührung mit der menschlichen Haut Schmerzen verursachen können, und ihre wuchernden Natur in Ungnade gefallen. Zu Unrecht jedoch, findet die Jury aus Experten der Naturheilkunde und kürt sie zur Heilpflanze des Jahres.
Neben den toxischen Stoffen, die das Brennen bei der Berührung verursachen, beinhaltet sie auch eine Vielzahl an nährenden und therapeutisch nutzbaren Inhaltsstoffen. Schon Hippokrates wusste um diese heilsame Wirkung des Krautes und verordnete sie bei verschiedensten Beschwerden. 
Brühst Du getrocknete Brennesselblätter als Tee auf, kann dies Gelenkbeschwerden und Rheuma lindern. Da der Tee auch harntreibend wirkt, kann Brennessel auch bei Blasen- und Nierenerkrankungen heilend sein.
Glaubt man der mittelalterlichen Bedeutung der Brennessel, hilft Brennnessel auch bei Herzschmerz: Angeblich soll sie Liebeskraft stärken und Herzen buchstäblich zum Brennen bringen. Dazu ist Brennessel reich an Mineralien, Vitaminen, Spurenelementen und Eiweißen und gilt deshalb als echte Vitamin- und Nährstoffbombe. Außerdem findet sie vielseitige Verwendung in der Küche.

Insektenfreund

Als winterharte Staude ist die Große Brennnessel in ganz Europa und Asien weit verbreitet und wächst nahezu überall. Wahrscheinlich kannst Du sie auch in Deinem Garten entdecken. Zwischen Juli und Oktober bildet sie kleine Blüten aus und ist deshalb beliebt bei Honigbiene, Hummel & Co. Besonders Schmetterlinge danken Dir, wenn Du die Brennessel nicht vollständig aus Deinem Garten verbannst. Raupen von Tagpfauenauge, Distelfalter und Admiral freuen sich besonders über eine schmackhafte Mahlzeit an der Brennessel. 
Trotz ihres schlechten Rufs hat die Brennnessel einiges zu bieten und findet sowohl in der Natur als auch der Heilkunde Einsatz. Vielleicht kann die Kür zur Heilpflanze des Jahres ihr Image verdientermaßen etwas aufpolieren.

Arzneipflanze des Jahres: Mönchspfeffer

Mönchspfeffer

Sagenumwobenes Gartenwunder

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) hat eine lange Geschichte und findet sogar in einer der bekanntesten griechischen Epen, der Ilias, Erwähnung. Dort ist die Pflanze ein Symbol der Keuschheit. So wurde sie in mittelalterliche Klöstern von Mönchen und Nonnen eingenommen, damit sie ihr Keuschheitsgelübde leichter einhalten können. Sie pflanzten Mönchspfeffer in den prächtigen Klöstergärten und konnten so vom scharfen Geschmack der Samen in ihren Speise und von der anaphrodisierenden Wirkung profitieren. So wird Mönchspfeffer umgangssprachlich auch als “Keuschbaum” bezeichnet. 

Heute ist die Staude als Gartenpflanze populär und ist mit ihren violetten Blütenrispen eine besonders gern gesehene Bienenweide. Als Spätblüher sorgt sie im Herbst für Farbkleckser und bietet den Insekten auch in der zweiten Jahreshälfte ein reichhaltiges Blütenbuffet. Mönchspfeffer eignet sich deshalb optimal für eine ganzjährige Gartenbepflanzung. 

Kleine Früchte, große Wirkung

Nicht ohne Grund wurde Mönchspfeffer 2022 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Nach seiner Blütezeit entwickelt er kleine, rot-schwarze Früchte, die besonders viele ätherische Öle und Alkaloide, Flavonoide sowie Iridoide, Aucubin und Agnusid enthält. Wegen dieser Inhaltsstoffe wird Mönchspfeffer besonders bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt und kann regulierend auf den weiblichen Hormonhaushalt einwirken. Auch zur Milderungen von PMS-Symptomen wird er eingesetzt, weshalb er sich als bewährtes Hausmittel für Frauen etabliert hat. Auch bei einem unerfüllten Kinderwunsch aufgrund eines unregelmäßigen Zyklus kann angeblich von der Einnahme von Mönchspfeffer profitiert werden, wobei dies nie wissenschaftlich belegt wurde. 

Ein Beitrag von Vera von nearBees
vom 20.06.2022