Garten-Blattschneiderbiene

Heimische Wildbienenarten: die wilden Schwestern der Honigbienen

Garten-Blattschneiderbiene

Neben den domestizierten Honigbienen gibt es weltweit etwa 20.000 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht staatenbildend, sondern leben in kleinen sozialen Einheiten: sie sind quasi die Singles unter ihren Artgenossen.
Wildbienen werden sehr selten zur Bestäubung von Pflanzen eingesetzt, obwohl einige Arten aufgrund einer Jahrtausende langen Entwicklung eine innige Symbiose mit bestimmten Pflanzen eingegangen sind. Deshalb können sie diese besonders gut bestäuben – manche Wildbienen sogar nur als einzige Art. Stirbt diese Bienenart, stirbt auch die Pflanze aus. In unserem Blog kannst Du Vertreter der über 500, in Deutschland heimischen, Wildbienenarten kennen lernen. Heute: die Garten-Blattschneiderbiene.

Steckbrief

Garten-Blattschneiderbiene

Lat. Name: Megachile willughbiella
Flugzeit: Juni bis September
Vorkommen: häufig
Ernährungsweise: polylektisch 
Lebensraum: Waldränder & -lichtungen, Parks und Gärten

Beschreibung

Die Garten-Blattschneiderbiene ist von Juni bis September unterwegs. Da nicht nur im Mai, sondern auch im August neue Drohnen fliegen, ist eine zweite Generation möglich. Das Aussehen der Garten-Blattschneiderbienen ähnelt sehr stark dem der anderen Megachile-Arten - mit etwas Übung kannst Du sie aber sicher bald alle unterscheiden. Die Männchen haben eine gelb-braune Färbung und hell behaarte Vorderfüßchen. Die Weibchen weisen eine rote Bauchbürste auf, nur die letzten beiden Sterniten sind mit schwarzen Sammelhaaren ausgestattet. Anders als die Honigbienen sammelt die weibliche Garten-Blattschneiderbiene den Pollen nicht an den Hinterbeinen, sondern am Bauch mithilfe dieser Bauchbürste.

Ursprung, Habitat und Verbreitung

Die Garten-Blattschneiderbiene ist die häufigste Blattschneiderbienen-Art in Europa. Man findet sie in ganz Deutschland. Sie nistet vorzugsweise in natürlichen, bereits vorhandenen Hohlräumen, z.B. in Käferfraßgängen, unter Rinden, in Felsspalten oder in Mauerfugen. Manchmal nimmt sie die Sache aber auch selbst in die Hand und gräbt Gänge im Boden oder morschem Holz. 

Verhalten und Lebensweise

Von Pflanzenfreunden wird die Garten-Blattschneiderbiene manchmal als “Blumentopfbiene” bezeichnet. So manch einer wird beim Umtopfen von Balkonpflanzen oder Blumenkästen kleine zigarrenförmige Blatthülsen im Topf finden. Wurzelballen ähneln in ihrer Struktur morschem Holz und sind deshalb eine attraktive Kinderstube für die Garten-Blattschneiderbiene. Die kleine Flugkünstlerin zwängt sich durch die Entwässerungslöcher des Blumentopfs ins Innere und beginnt dort mit dem Nestbau. 
Wie der Name der Garten-Blattschneiderbiene schon verrät, schneidet sie Blätter, bevorzugt  von Rosen oder Blauregen. Aus dem saftigen, grünen Laub schneidet sie kreisrunde Blattstücke heraus, rollt sie wie eine kleine Zigarre zusammen und bringt sie zum Nest. Die Blätter sehen anschließend aus, als wären ein Locher am Werk gewesen - die ausgeschnitten Löcher sind perfekt symmetrisch und können einen Durchmesser von bis zu 1 Zentimeter erreichen. Im Nest fungieren die sorgfältig gerollten Blätter als Baumaterial und Auskleidung der Brutzellen.

Von der Single-Wohnung zur Wohngemeinschaft

Die Garten-Blattschneiderbiene nistet in der Regel solitär, gelegentlich lässt sich aber auch eine kommunale Nistweise beobachten. Dabei leben zwei oder mehrere Weibchen, häufig  Geschwister, zusammen. Jede kümmert sich um ihren eigenen Nahrungsvorrat und den Bau ihrer eigenen Brutzellen, in denen sie jeweils ihre Eier ablegen. Sie teilen sich aber den Nesteingang. Auf diese Weise können Eindringlinge besser abgewehrt werden, denn nur sind alle Bienen gleichzeitig ausgeflogen - fast immer ist jemand im Nest anwesend. Kommunale Nistweisen entwickeln sich aus einem solitär lebendem Weibchen, dem sich nach einiger Zeit andere Weibchen anschließen.