Zuckersirup oder Bienengold?

Gefälschter Honig in der EU

Honig tropft von einem Löffel

Die Deutschen lieben ihren Honig - so sehr, dass heimische Imker und ihre Bienen den Bedarf nur zu 28 Prozent decken können. Im Jahr 2022 wurden deshalb rund 75.000 Tonnen Honig importiert, damit die Regale in unseren Supermärkten eine reiche Auswahl an flüssigem Gold bieten. Grundsätzlich ist der Import von Honig kein Problem, denn dank der deutschen Honigverordnung muss er stets hohe Gütekriterien erfüllen. Doch immer wieder gibt es Betrüger, die den Honig mit Zuckersirup strecken. Innerhalb der EU gehört das flüssige Gold sogar zu den am meisten gefälschten Lebensmitteln, sodass europäische und internationale polizeiliche Organisationen wie Europol oder Interpol ermitteln. Die im März 2023 veröffentlichte Studie “From the Hives” der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission zeigt nun, dass das Problem des gefälschten Honigs größer ist als gedacht.

China und Türkei als traurige Spitzenreiter

Die Studie “From the Hives” zeigt: 46 Prozent der Honige, die zwischen Oktober 2021 und Februar 2022 aus dem EU-Ausland importiert wurden, entsprechen nicht den Anforderungen der europäischen Honigverordnung. Im Klartext heißt das: Dem flüssigen Gold wurde etwas zugesetzt, um ihn zu strecken - diese Art der Verfälschung des Naturprodukts ist allerdings verboten. 
Die höchsten Anteile an auffälligen Ergebnissen stammen von Honigen, die aus der Türkei (93%) und aus China (74%) importiert wurden. Mit 100 Prozent verdächtiger Proben steht eigentlich das Vereinigte Königreich an der Spitze der Liste - die Forscher gehen aber aufgrund der Informationen zur Rückverfolgbarkeit davon aus, dass der Honig nicht ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich stammt, sondern lediglich dort weiterverarbeitet wurde.

Scharfe Worte des Honig-Verbands

“Das ist kein Honig. Das ist Panscherei”, erklärt Frank Filodda, Vorstandsvorsitzender des Honig-Verbandes, dem Branchenvertreter der deutschen Honigabfüller und -importeure, in Reaktion auf die Ergebnisse der Studie “From the Hives”. Der Honig-Verband stehe für authentischen und reinen Honig und engagiere sich deshalb schon seit vielen Jahren zusammen mit namhaften Fachlaboren für die kontinuierliche Verbesserung und Standardisierung der Analysemethoden. “Der Schutz der Verbrauchenden hat Priorität”, betont Filodda. Insgesamt befürworte der Honig-Verband Aktionen wie “From the Hives”, da sich dadurch die Authentizität des Honigs auf dem europäischen Markt gewährleisten lasse. Der Verband halte es für dringend erforderlich, dass die EU-Kommission den Prozess zur Harmonisierung und Festlegung von geeigneten Analysemethoden zur Bekämpfung von Honigverfälschungen weiter intensiviert. Dafür sichert Filodda seine Unterstützung zu.

Das Geschäft mit dem falschen Honig

Doch wie genau gehen die Honigfälscher vor? In der EU darf Honig kein anderer Stoff hinzugefügt werden: Mischungen von unterschiedlichen Honigen sind demnach - je nachdem, unter welcher Bezeichnung er im Supermarkt landet - in Ordnung. 
Eine einfache und für die Betrüger profitable Methode, um das flüssige Gold zu strecken, ist das Beimischen von billigem Zuckersirup. In der Vergangenheit verwendeten Fälscher häufig Sirup aus Maisstärke oder Zuckerrohr, doch in der Studie konnten nur wenige solche Verunreinigungen festgestellt werden. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass diese Art der Streckung von Honig seltener geworden ist. Stattdessen wird häufiger Zuckersirup aus Reis, Weizen oder Zuckerrübe beigemischt. Dieses veränderte Vorgehen der Fälscher könnte auch erklären, wieso eine Studie von 2015-2017 mit 14 Prozent verdächtiger Honigproben einen viel geringeren Prozentsatz an Fälschungen feststellen konnte. Mittlerweile hatte die Forschung Zeit, andere Analysemethoden mit verbesserten Erkennungsmöglichkeiten zu entwickeln. Deshalb können heutzutage auch sehr geschickte Fälschungen erkannt werden, die zuvor unter Umständen verborgen geblieben wären. So bleibt offen, ob in der Studie von 2015 bis 2017 tatsächlich weniger Honig gepanscht oder ob nur weniger davon entdeckt wurde.

Honig im Labor

Honige sind häufiger im Labor, als Du vielleicht annimmst. Meistens wird dabei aber nicht darauf getestet, ob es sich um eine Fälschung handelt - wobei die Qualitätssicherung selbstverständlich auch eine wichtige Rolle spielt. 
Damit ein Honig mit einer bestimmten Sortenbezeichnung wie Tanne, Raps oder Linde deklariert werden darf, muss er erst analysiert werden. Er muss bestimmte Vorgaben zu Pollenanteil, elektrischer Leitfähigkeit oder Farbe erfüllen: Rapshonig muss beispielsweise mindestens 80 Prozent Rapspollen enthalten, damit er in Deutschland überhaupt als Sortenhonig bezeichnet werden darf. Aber auch allgemeinere Qualitätskriterien wie der Wassergehalt eines Honigs können im Labor überprüft werden. 
Doch auch, wenn ein Honig diese Vorgaben nicht einhalten kann, bedeutet das nicht, dass er qualitativ minderwertig ist. Blüten- oder Waldhonig ist nicht per se schlechter als Sortenhonig - es kommt lediglich darauf an, was Dir am besten schmeckt!

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Ist mein Honig gefälscht?

Grundsätzlich musst Du Dir keine Sorgen machen, dass Du gepanschten Honig gekauft hast. Zwar sind die neuen Zahlen zu den Fälschungen von Honig aus dem EU-Ausland erschreckend hoch, doch sie können nicht verallgemeinert werden und zeigen lediglich die Situation im erhobenen Zeitraum. Die Zahlen konnten aber schon etwas bewegen: Die Grenzkontrollen bei Honig aus dem Nicht-EU-Ausland wurden mittlerweile verstärkt. 
Die Lebensmittellabore arbeiten daran, Methoden zur Erkennung von gestrecktem Honig weiter zu verfeinern. Leider gibt es keine Möglichkeit, Deinen Honig auf Fälschung in den eigenen vier Wänden zu testen - mögliche Praxistipps sind eher mit Vorsicht zu genießen und in der Regel nicht sonderlich aussagekräftig.
Wenn Du Dich weiter absichern möchtest, kannst Du beim Kauf von Honig im Supermarkt einen genaueren Blick auf das Etikett werfen. Darauf muss gekennzeichnet werden, woher der Honig stammt. Dabei muss allerdings nur zwischen Honig aus EU-Ländern und solchem aus Nicht-EU-Ländern differenziert werden.

Beuten vor den Alpen

Honige aus Deutschland

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Eine noch einfachere und gleichzeitig auch nachhaltige Möglichkeit, gefälschten Honig aus dem Weg zu gehen, ist der Kauf beim Imker von Nebenan. Dieser hat mit Sicherheit für alle Interessierten auch Informationen, wo genau die Bienenvölker gestanden haben, als sie den Nektar und Honigtau für das flüssige Gold gesammelt haben. Zudem begibst Du Dich auf eine geschmackliche Entdeckungsreise durch Deine Region - Honig aus fernen Ländern ist so gar nicht notwendig.
Die gesamte Studie “From the Hives” der Europäischen Kommission findest Du hier.

Ein Beitrag von Zoe von nearBees
vom 23.03.2023