Dunkle Erdhummel

Heimische Wildbienenarten: die wilden Schwestern der Honigbienen

Dunkle Erdhummel

Neben den domestizierten Honigbienen gibt es weltweit etwa 20.000 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht staatenbildend, sondern leben in kleinen sozialen Einheiten: sie sind quasi die Singles unter ihren Artgenossen.
Wildbienen werden sehr selten zur Bestäubung von Pflanzen eingesetzt, obwohl einige Arten aufgrund einer Jahrtausende langen Entwicklung eine innige Symbiose mit bestimmten Pflanzen eingegangen sind. Deshalb können sie diese besonders gut bestäuben – manche Wildbienen sogar nur als einzige Art. Stirbt diese Bienenart, stirbt auch die Pflanze aus. In unserem Blog kannst Du Vertreter der über 500, in Deutschland heimischen, Wildbienenarten kennen lernen. Heute: die Dunkle Erdhummel.

Steckbrief

Dunkle Erdhummel

Lat. Name: Bombus terrestris
Flugzeit: März und Oktober
Vorkommen: häufig
Ernährungsweise: polylektisch 
Lebensraum: offene Lebensräume aller Art, lichte Wälder

Beschreibung

Die Dunkle Erdhummel ist eine der häufigsten und größten Hummelarten. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 20 bis 23 mm und die Erdhummelmännchen 14 bis 16 mm. Die Arbeiterinnen variieren in ihrer Größe zwischen 11 und 17 mm im Vergleich relativ stark. Bombus terrestris hat eine schwarze Färbung mit zwei gelben Querbinden und einer weißen Hinterleibsspitze. Ihr Aussehen ähnelt dem der Hellgelben Erdhummel so stark, dass man in freier Natur kaum einen Unterschied zwischen den beiden Brummern erkennen kann. Da braucht es ein geschultes Auge! 
Die Saugrüssel der Bombus terrestris sind mit nur 8 bis 10 Millimeter nicht besonders lang - damit zählt die Art zu den kurzrüssligen Hummeln. Deshalb können sie ausschließlich Nektar von Blüten sammeln, deren Blütenkelche nicht allzu tief sind. Für tiefe Blütenkelche sind ihre Rüssel schlichtweg zu kurz. 
In der Regel leben Wildbienen solitär. Die Hummel stellt dabei eine Ausnahme dar: Ähnlich wie die Honigbiene lebt auch die Hummel in einem Staat - allerdings ist ihr soziales Verhalten weniger stark ausgeprägt und wird als “primitiv eusozial” bezeichnet. Mit bis zu 600 Individuen bilden die Dunklen Erdhummeln zahlenmäßig die größten Völker unter den in Deutschland heimischen Hummelarten. 

Ursprung, Habitat und Verbreitung

Ursprünglich ist die Dunkle Erdhummel in ganz Europa, sowie Nordafrika und Kleinasien beheimatet. Mittlerweile ist sie aber bis Japan und Südamerika vorgedrungen. Dank ihres dicken Pelzmantels und ihres kräftigen Körperbaus ist die Dunkle Erdhummel sehr resistent und kommt in vielen Habitaten gut zurecht. Auch Minusgrade lassen Bombus terrestris kalt - sie ist zu Jahresbeginn schon so früh unterwegs, dass oftmals noch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschen. Man findet sie so ziemlich überall: im Garten, auf Wiesen und sogar in lichten Wäldern. Lediglich dicht bewachsene Forstgebiete sind ihr nicht ganz geheuer.

Verhalten und Lebensweise

Die Dunkle Erdhummel nistet vorzugsweise unterirdisch in verlassenen Mäuselöchern oder unter trockenem Laub. Ihr Nest kann bis zu 1,5 Meter in der Tiefe liegen und ist damit gut vor Frost und Kälte geschützt. Im Winter wärmt, wie bei allen Hummelarten, die Königin ihre erste Brut ganz alleine. Dafür muss sie durch ihren Stoffwechsel genügend Wärme in ihrem Thorax erzeugen, um so die nötige Bruttemperatur zu halten - das ist unglaublich anstrengend und energiezehrend. Es wird geschätzt, dass eine Königin der Dunklen Erdhummel täglich 600 Milligramm Zucker zu sich nehmen muss, um ihr Nest kuschelig warm zu halten. 
Während der Brutzeit muss sie für diese Menge an Zucker bis zu 6.000 Blüten besuchen - aus diesem Grund braucht sie für eine erfolgreiche Aufzucht ihrer Brut dringend prächtige und vor allem nektarreiche Blumen in Nestnähe. Zum Glück ist die Dunkle Erdhummel nicht allzu wählerisch in Bezug auf ihre Futterquellen. Ihr Speiseplan umfasst alles von Himbeeren über Rotklee bis hin zu Pflaumen und Johannisbeeren - sie ist lebt polylektisch.

Besonderheit: vom Nutztier zur Bedrohung

Die Dunkle Erdhummel ist die wichtigste Art in der kommerziellen Hummelzüchtung. Sie wird vorwiegend zur Bestäubung im Gemüsebau eingesetzt. Dafür werden teilweise ganze Hummelnester, die eigens dafür von europäischen Unternehmen gezüchtet wurden, importiert und in Treibhäusern ausgesetzt. Zu diesem Zweck werden jährlich mehr als 1 Million Hummelnester versendet. Angekommen in den Treibhäusern bestäuben sie hauptsächlich Erdbeeren und Tomaten. 
Bei so vielen ausgesetzten Hummeln ist es kein Wunder, dass auch mal die ein oder andere Hummel durch einen Fensterspalt oder eine geöffnete Türe entwischt. In Freiheit angekommen paaren sie sich mit heimischen wilden Hummeln und verfälschen dadurch den Artenbestand des Gebietes - so kamen auch die Populationen in Südamerika und Japan zustande. Dieses Phänomen wird als Faunenverfälschung bezeichnet. Die Dunkle Erdhummel vermehrt sich in diesen Gebieten explosionsartig und verdrängt die dort heimischen Hummelarten. So hat menschliches Eingreifen in das Ökosystem die bei uns harmlose und nützliche Dunkle Erdhummel mancherorts in eine wahre Bedrohung verwandelt. Bombus terrestris ist daher auf der Liste der invasiven Arten gelandet. 
Um der Faunenverfälschung entgegenzuwirken, ist es in Japan zum Beispiel gesetzlich vorgeschrieben, Treibhäuser, in denen Hummelnester Anwendung finden, mit doppelten Türen und vernetzten Luken zu sichern. In Großbritannien werden Gemüsebauern dazu angehalten, die Hummeln nach ihrer Verwendung zu töten und die importierten Nester zu zerstören, indem sie sie verbrennen oder in eine Gefriertruhe setzen. Die wenigsten Bauern halten sich jedoch an diese Empfehlungen, da sie nicht ausreichend große Gefriertruhen besitzen und bei einer Verbrennung lästige Abgase entstehen.