Der Kleinbauer – eine bedrohte Art

Nicht nur die Bienen sterben aus, sondern auch die Kleinbauern, die von landwirtschaftlichen Großbetrieben verdrängt werden

Rapsfeld

Das Bienensterben ist schon einige Zeit in aller Munde und auch dass es noch etliche andere betroffene Insektenarten gibt, ist mittlerweile in weiten Teilen der Bevölkerung angekommen. Es gibt aber ein Artensterben, an das vermutlich nur wenige denken: Auch der deutsche Kleinbauer ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer bedrohten Art geworden. Immer mehr und zunehmend größer werdende Monokulturen an Großbauern verdrängen ihn von der Bildfläche. Das hat gravierende Konsequenzen, denn eine geringere Artenvielfalt an Landwirten führt zu noch weniger Artenvielfalt in der Natur.

Kartoffelfeld

Das Bauernsterben in Zahlen

Rund 430.000 landwirtschaftliche Betriebe gab es 1990 in Deutschland, 2017 waren es mit etwa 270.000 nur noch halb so viele - jedes Jahr geben ungefähr 5.000 Bauern ihren Hof auf. Für manche mag das vielleicht überraschend sein, doch eine neue Entwicklung ist das nicht. Schon seit gut 100 Jahren sinkt hierzulande die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe Schritt für Schritt. Der Rückgang an Bauern ist aber nicht die einzige Entwicklung, die zu beobachten ist: Insgesamt nimmt die Anzahl der Betriebe ab, doch zugleich steigt die durchschnittliche Fläche der noch verbliebenen Landwirte an und es ist eine starke Entwicklung hin zu großen Betrieben zu erkennen. Gegenwärtig teilen sich 70% der deutschen Bauern 3.3 Millionen Hektar Land, mehr als 4.2 Millionen Hektar sind aber in der Hand von nur 1.4% der landwirtschaftlichen Betriebe. 

Getreidefeld

Technischer Fortschritt und Politik zugunsten von großen landwirtschaftlichen Betrieben

Wieso kommt es aber überhaupt zum Aussterben der Kleinbauern? Der Ursprung liegt in dem technischen Fortschritt: Dank moderner Geräte, effektiver Dünger- und Pflanzenschutzmittel und Zuchtfortschritten bei Pflanzen und Tieren kann ein einzelner Landwirt heutzutage deutlich mehr Menschen ernähren als noch vor 50 Jahren. Profitiert haben von diesem Fortschritt aber nur die großen Betriebe, die finanziell dazu in der Lage waren in diese Neuheiten zu investieren. Kleinbauern bleiben in dem knallharten Wettbewerb auf der Strecke. Die großen Betriebe produzieren jetzt in noch größeren Mengen und dadurch deutlich billiger. Gleichzeitig ist jeder aufgebende Kleinbauer ein Gewinn für einen Großbauer: Es wird Land frei, das gekauft oder gepachtet werden kann und zu weiteren Wachstum führt. 

Erntearbeiten

Auch die Direktsubventionen der EU dienen vorwiegend den Großbauern. Diese werden in Deutschland nach der Größe der landwirtschaftlichen Fläche verteilt. Theoretisch wäre auch eine andere Verteilung denkbar gewesen, doch Bund und Länder haben vor einigen Jahren beschlossen, dass die Gelder fast vollständig pro Hektar gezahlt werden. Die Kleinbauern, die bereits unter dem Preisdruck der großen Betriebe leiden, sind dadurch stark benachteiligt. Sie begehren dagegen auf, z.B. gemeinsam mit Natur- und Tierschützern mit den “Wir-haben-es-satt”-Demonstrationen. Auch viele andere Aktivitäten zeigen, dass sowohl die Bauern als auch die Bevölkerung vor Ort nicht mit der aktuellen Situation einverstanden sind und ein Wandel notwendig ist.

Felder aus der Vogelperspektive

Der Rückgang an Kleinbauern beeinflusst die deutsche Landschaft und Artenvielfalt

Der enorme Wettbewerbsdruck und der Trend zu immer größeren und immer billiger produzierenden Betrieben, der auf den Bauern lastet, hat weitreichende Konsequenzen. Sie gestalten schließlich unsere Landschaft und sorgen für unsere Ernährung. Doch die gegenwärtig überwiegende Form der Landwirtschaft führt verstärkt zu verunreinigtem Grund- und Oberflächenwasser und Boden, Schadstoffen in der Luft, Anbau von Monokulturen und zu einem Rückgang der Biodiversität. Während der Vielfalt von Düngern, Pestiziden und Antibiotika augenscheinlich keine Grenzen gesetzt sind, muss die Artenvielfalt unter deren Einsatz leiden.
Nicht nur Imker und Biene brauchen also unsere Unterstützung, sondern auch die regionalen Kleinbauern - für weniger Monokulturen und mehr Artenvielfalt.

Ein Beitrag von Sabrina von nearBees
vom 09.11.1818