Fermentieren, Einfrieren und Haltbarmachen

So halten Deine Lebensmittel ewig

Fermentieren

Jedes Jahr werfen wir etwa ein Drittel der weltweit erzeugten Lebensmittel weg - so wird nicht nur das für Transport und Herstellung benötigte CO2 umsonst ausgestoßen, sondern jeder von uns verliert auch Geld. 
Aber wir haben gute Nachrichten! Mit einigen einfachen Tipps und Tricks kannst Du aktiv etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun und Dein Obst und Gemüse länger haltbar machen. Egal ob Einkochen, Einfrieren oder Fermentieren - es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Deinen Konsum durch die richtige Lagerung und Konservierung bewusster zu gestalten.
Biegt sich zum Beispiel der Zwetschgenbaum in Deinem Garten schon von der Last der Früchte? Kein Problem, Du kannst alles, was Du nicht mehr essen kannst, anderweitig verarbeiten und konservieren und so alles aus Deiner wertvollen Ernte herausholen. Bist Du kein Selbstversorger, ist das kein Problem - auch Du findest sicherlich den ein oder anderen hilfreichen Tipp.

Richtige Lagerung ist das A und O

Damit Dein Obst und Gemüse möglichst lange hält, ist es wichtig, es richtig aufzubewahren.
Die Einwinterung von Lagergemüse, wie Kohl oder Knollengemüse, Kartoffeln und Äpfeln war früher eine übliche Art der Bevorratung. So konnte auch in den kalten Monaten die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse gewährleistet werden. In den letzten Jahren haben sich die Möglichkeiten zur Einlagerung gewandelt. Während früher nahezu jedes Haus eine kühle Lagermöglichkeit hatte, stehen wir in Neubauten vor Herausforderungen. Keller sind dort oft vergleichsweise warm und trocken und eignen sich deshalb eher als Hobbyraum als Lagerkeller.
Doch das ist kein Problem. Ob im Keller, im Freien, auf der Terrasse, am Balkon, in der Garage, am Dachboden oder im Gartenhäuschen - wichtig ist nur, ein geeignetes Umfeld und Klima zu schaffen. Während es Kartoffeln dunkel mögen, bleiben Karotten am längsten in einem Wasserglas knackig. Wusstest Du außerdem, dass Äpfel sich nicht mit Bananen vertragen? Aufgrund des Reifegases Ethylen, welches die Äpfel ausstoßen, werden die Bananen schneller braun. Wie Du siehst, kannst Du alleine schon bei der Lagerung allerlei Kleinigkeiten beachten, die Deine Lebensmittel länger haltbar machen können.
Generell eignen sich bestimmte Obst- und Gemüsesorten besser zur längeren Lagerung als andere. Pflanzt Du also einen neuen Obstbaum in Deinem Garten, kannst Du darauf achten, dass es sich bei den Früchten um eine lagerfähige Art handelt.  

Lagerung von Karotten

Lagerung von Kartoffeln

Haltbarmachen - aber wie?

Lebensmittel verderben, wenn sie Licht, Sauerstoff oder Wärme ausgesetzt werden. Außerdem enthalten sie natürliche Enzyme und Bakterien, die dazu führen, dass sie nicht mehr genießbar sind. Beim Haltbarmachen werden diese Faktoren reduziert oder ganz ausgeschaltet. Schädlichen Bakterien und Mikroorganismen wird die Lebensgrundlage entzogen. Das gelingt mit verschiedenen Verfahren -  sei es nun durch Fermentieren, Einlegen oder Einfrieren. Dabei ist das Ziel stets, die Nährstoffe und den Geschmack bestmöglich zu erhalten

Oma macht’s vor: Einkochen

Eine der wohl ältesten Methoden zum Konservieren von Lebensmitteln ist das Einkochen. Dabei werden frische Früchte in Zuckerwasser beziehungsweise frisches Gemüse in einem Kräutersud gekocht. Durch die hohe Hitze werden Mikroorganismen abgetötet - sie können sich nicht mehr vermehren und die Lebensmittel verderben nicht. Nach dem Kochen  wird die heiße Masse in sterile Gläser abgefüllt. Das entstehende Vakuum sorgt dafür, dass sich auch bei der Lagerung keine Bakterien einschleichen, die das Obst oder Gemüse schlecht werden lassen. Solange das Eingekochte nicht geöffnet wird, ist es so weit über ein Jahr haltbar! 

Eingekochte Lebensmittel

Mach’s wie die Wikinger: Dörren und Trocknen

Auch das Trocknen ist eine Konservierungsart, die bereits seit ewigen Zeiten verbreitet ist. Schon die Wikinger trockneten Kabeljau, Rind und Schwein, um auf See genügend Vorräte zu haben. Beim Dörren wird den Lebensmitteln das Wasser entzogen, sodass Mikroorganismen keine Lebensgrundlage mehr haben - das Essen wird haltbar und verschimmelt nicht. 
Es gibt verschiedene Herangehensweisen an diese Art der Konservierung. Mit einem Dörrautomaten kannst Du beinahe alles energiesparend trocknen, aber auch ein Backofen eignet sich wunderbar dafür. Darin kannst Du bei einer Temperatur von 40 bis 50 Grad Celsius Fleisch, Obst & Co. dörren und haltbar machen. 
Besteigst Du in Deiner Freizeit gerne Gipfel oder begibst Dich auf lange Wanderwege, so ist dehydrierte Nahrung ebenfalls ein guter Weg, vitaminreiche und leckere Lebensmittel platzsparend und vor allem konserviert mit auf Deine Reise zu nehmen. 

Getrocknete Lebensmittel

Ice, Ice, Baby: Einfrieren

Nahezu jeder Kühlschrank besitzt zumindest ein kleines Gefrierfach. Durch Einfrieren lassen sich eine Vielzahl an Lebensmitteln länger haltbar machen, da durch die kalten Temperaturen Mikroorganismen nicht mehr wachsen können. Gleichzeitig wird die Enzymtätigkeit verlangsamt, sodass eingefrorene Lebensmittel über ein Jahr lang noch genießbar sind. Auch gekochte Gerichte, zum Beispiel Suppen, eignen sich bestens für diese frostige Lagermöglichkeit. 
Du solltest lediglich darauf achten, das Gefriergut ordentlich zu verpacken und zu verschließen: Sonst können sich Eiskristalle bilden, die Geschmack und Konsistenz beeinflussen. Einige wenige Lebensmittel sind nicht zum Einfrieren geeignet, darunter zum Beispiel viele Obstsorten. Da sie eher dazu neigen, matschig zu werden, solltest Du bei Obst deshalb eher zu anderen Konservierungsmethoden wie dem Einkochen oder Dörren greifen. 
Auch Milchprodukte, wie Milch oder Sahne, solltest Du nicht einfrieren, da sie beim Auftauen flockig werden. Ansonsten kannst Du Dich getrost austoben und Dein Gefrierfach bis zum Rand mit leckeren Speisen füllen. Auf diese Weise hast Du so immer auch ein Abendessen parat, wenn Du nach einem langen Tag einmal nicht kochen möchtest.

Gefrorene Lebensmittel

Es gibt Saures: Einlegen

Wer schon einmal Essiggurken im Kühlschrank stehen hatte, der weiß: Die kleine, saure Beilage aus dem Glas ist nahezu ewig haltbar. Das liegt am Essig, welcher den pH-Wert der Lebensmittel so sauer macht, dass sich Mikroorganismen dort nicht vermehren können. Was für Gurken funktioniert, klappt auch optimal bei anderen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Bohnen oder Kürbis. Ein Lebensmitteltrend aus Korea, der auf einem ähnlichen Prinzip basiert, ist Kimchi. Dafür wird Kohl oder Rettich für mehrere Stunden in Salzlake eingelegt. Dadurch wird eine Milchsäuregärung angestoßen, die das Eingelegte haltbar macht.

Nie wieder wegwerfen 

Um nachhaltig mit Lebensmitteln umzugehen, ist eine richtige Lagerung unerlässlich. Möchtest Du Früchte oder Gemüse deutlich länger aufbewahren, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, diese zu konservieren und gleichzeitig den leckeren Geschmack beizubehalten. Dabei sind einige Varianten mit weniger Aufwand verbunden, andere wiederum erfordern etwas mehr Arbeit. Fest steht jedoch: Es gibt für jeden eine passende Option. Eine Ausrede für das Wegschmeißen von Lebensmitteln gibt es also nicht mehr! Dabei tust Du nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern schonst gleichzeitig noch Deinen Geldbeutel. 

Bist Du neugierig geworden? Im Buch “Fermentieren - Gemüse einfach und natürlich haltbar machen” vom Löwenzahn-Verlag findest du zahlreiche Rezeptideen und Konservierungsmethoden für Deine Küche. Auch im Praxishandbuch “Natürlich Konservieren  - Vorrat aus Gemüse, Obst und Kräutern das ganze Jahr genießen” vom Löwenzahn-Verlag findest Du zahlreiche Ideen und Inspirationen für Deinen selbstgemachten Vorrat. Du bist Selbstversorger oder interessiert an der Thematik, Deine Lebensmittel zum Teil aus eigenem Anbau zu beziehen? Dann ist das Buch “Wohllebens Anleitung für Selbstversorger - Nachhaltiges Wissen über Garten und Stall”, erschienen im Verlag Eugen Ulmer, genau das Richtige für Dich. 

Ein Beitrag von Vera von nearBees
vom 14.10.2022