Der Wahnsinn mit den Mandeln

Oder: Wie Du mit Deinem Mandelkonsum Bienen schadest

Biene an einer Mandeblüte

Zimtsterne, Vanillekipferl, Spitzbuben… gerade in der Adventszeit backen wir gerne Plätzchen. Eine unverzichtbare Zutat sind neben Mehl und Zucker meist Mandeln. Doch woher kommen die überhaupt?

Große Strapazen bei der Mandelblütenbestäubung

Die Mandel an sich kommt ursprünglich aus Südwestasien, heute wächst sie wild an der östlichen Mittelmeerküste, in der Türkei, im Kaukasus, Iran, Irak und Usbekistan. Der Großteil unserer Mandeln kommt heute aber aus den USA, genauer gesagt aus Kalifornien. Möglich macht die Mandelernte in großem Stil die dort übliche Wanderimkerei. Du ahnst es bestimmt schon: Die Mandel ist auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen!
Zu Beginn des Jahres werden die Bienenvölker der USA auf den Tieflader gepackt (etwa 500 Bienenvölker pro LKW) und nach Kalifornien transportiert - denn im kalifornischen Central Valley wachsen auf einer Fläche von 3.000 Quadratkilometern rund 60 Millionen Mandelbäume. Innerhalb der zweiwöchigen Mandelbüte werden ca. 1,5 Millionen Bienenvölker zu den Plantagen transportiert. Bei der langen Fahrt alleine handelt es sich schon eine enorme Belastung für die Bienen, nicht selten kippt auch mal ein Laster um. Angekommen in Kalifornien wartet dann aber auch schon die nächste Herausforderung auf die fleißigen Bienen: die Bestäubung von Abermillionen Mandelblüten, die stark mit Pestiziden belastet sind. Ob oder wie sehr die eigens für diese Aufgabe hergebrachten Honigbienen darunter leider, wird dabei außer Acht gelassen.

Mandel an Baum

Rund 80 Prozent unserer Mandeln kommen aus dem kalifornischem Central Valley, dem weltweit größten Mandelanbaugebiet.

Wanderimkerei - eine ewige Reise

Sind die Mandelbäume verblüht und die Bestäubung ist getan, so geht es für die Bienen - sofern sie die bisherigen Strapazen überlebt haben - weiter zur nächsten Monokultur: Apfelfelder in Washington oder Rapsfelder im Norden Amerikas. Eine dauerhafte Ansiedlung von Bienen in Kalifornien ist überhaupt nicht möglich,  da die Bienen außerhalb der Blütezeit der entsprechenden Monokultur keine Nahrung finden würden. So werden die Bienen das ganze Jahr über von einer Monokultur zu nächsten transportiert.
Dieses Geschäft mit den Bienen ist für Imker sehr lukrativ: Damit auch die größte monokulturell gepflegte Fläche ausreichend bestäubt wird, sind die Wanderimker mit ihren Bienen dringend notwendig - und stellen ihre Insekten gegen Bezahlung zu den enstprechenden Bedarfszeiten an den Feldern auf. Die Bestäubungsimkerei bringt ihnen etwa das 10- bis 15fache mehr als die Produktion von Honig. Während in Deutschland vorwiegend Hobbyimker aus Liebe zur Biene und zur Natur die Bienenhaltung betreiben, finden sich in den USA etliche Imkereien, die sich ausschließlich auf die Bestäubungsleistung der Bienen spezialisiert haben. 
Doch ganz gefahrlos ist die Wanderimkerei nicht. Viele Bienen überleben die hohe Belastung des Transports nicht. Zudem birgt die Wanderung das Risiko einer Verbreitung von Bienenkrankheiten im Umkreis der verschiedenen Wanderplätze.

Was tun gegen den Mandelwahnsinn?

Die Nachfrage von Mandeln boomt, die Amerikaner zum Beispiel essen doppelt so viele Mandeln wie noch vor zehn Jahren. Von Mandelmilch über Marzipan bis hin zu Mandelmehl gibt es alles - die Mandel ist “in”. Der Preis auf dem Markt wird dabei von den USA bestimmt, dem größten Mandelproduzenten. Durch die maschinelle Ernte und den Massenanbau ist dieser entsprechend billig. In Europa, wo die Ernte manuell stattfindet und dadurch hohe Lohnkosten entstehen, können die kleinen Anbieter dem amerikanischen Konkurrenzdruck kaum standhalten, weil sich der Anbau und die Pflege der Plantage nicht mehr lohnen.
Was also kannst Du tun? Im Hinblick auf die ökologischen Nachteile solltest Du Deinen Verbrauch von Mandeln prinzipiell einschränken. So eignet sich als tägliche Milchalternative beispielsweise auch eine Hafermilch. Wenn es dann für die Weihnachtsbäckerei oder für einen besonders leckeren Kuchen doch mal Mandeln sein sollen, dann achte darauf, dass es sich bei den Mandeln nicht um kalifornische, sondern um europäische Mandeln handelt. Die haben keine Reise um den halben Globus hinter sich gelegt. (Achtung: Oft ist der Herkunftsort besonders kleingedruckt.)  Bestenfalls sind die Mandeln dann auch aus kontrolliertem biologischem Anbau. So schmecken Plätzchen, Kuchen & Co. auch gleich viel besser!

Mandeplantage

Ein Beitrag von Sabrina von nearBees
vom 28.12.2020